Rohre dämmen: Verstecktes Einsparpotenzial schlummert im Keller
Nicht nur wegen der stetig steigenden Preise für Öl und Gas suchen Hausbesitzer nach immer neuen Möglichkeiten, Energie einzusparen. Ein oft übersehenes Sparpotenzial bei Altbauten sind frei zugängliche, dürftig oder gar nicht gedämmte Heizungs- und Warmwasserleitungen in ungeheizten Kellern.
Dämmen von Heizungs- und Warmwasserleitungen in ungeheizten Kellern ist für viele Hausbesitzer bis Ende 2011 sogar Pflicht. Grund hierfür ist eine Nachrüstpflicht, die die Energieeinsparverordnung (EnEV) von 2009 für Altbauten vorsieht.
Nachträgliches Dämmen spart bis zu 10 Prozent Energie
Schlecht gedämmte oder gar „nackte“ Heizungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen sind vor allem in alten Gebäuden immer noch zu finden. Hier geht ein Teil der teuren Energie schon auf dem Weg vom Keller bis zum Heizkörper oder Waschbecken verloren, da das warme Wasser in den Rohren an den kalten Raum unnötig Wärme abgibt.
„Energie von bis zu zehn Prozent kann durch fachgerechtes Dämmen solch freiliegender Rohre eingespart werden“, schätzt Jan Niermans, Vorsitzender der Fachgruppe Dämmstoffe im Fachverband Schaumkunststoffe und Polyurethane FSK e.V. in Frankfurt. Je nach Größe des Wohnhauses lassen sich nach Angaben des Experten durch Rohrdämmungen bis zu 250 Euro im Jahr Kosten für Heizung und Warmwasser einsparen. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Der Kellerraum wird nicht mehr ungewollt geheizt, sondern er bleibt kühl für das trockene Lagern von Balkonmöbeln oder Lebensmitteln wie Kartoffeln, Äpfeln, Saft oder Wein.
Frei zugängliche Warmwasser- und Heizungsleitungen zu dämmen, ist eine finanziell überschaubare Maßnahme und rechnet sich zudem schnell. Denn eine unzureichende Rohrdämmung, oft auch als Rohrisolierung bezeichnet, kann - so die Experten des FSK - mit relativ wenig Geld auf EnEV-Standard gebracht werden. Bei frei liegenden Warmwasser- oder Heizungsleitungen in nicht beheizten Kellerräumen ist der Spareffekt durch eine solche Rohrisolierung enorm. In vielen Fällen werden die Kosten für eine Rohrdämmung bzw. für eine verbesserte Dämmung nach einem Winter schon wieder „zurückverdient“.
Nachrüstpflicht bis Ende 2011
Das Dämmen von Rohren ist für Immobilieneigentümer nicht persönliche Ermessenssache, sondern eine Pflicht. Nach § 10 Abs. 2 der EnEV 2009 müssen Eigentümer von Gebäuden dafür sorgen, dass bei heizungstechnischen Anlagen bisher ungedämmte Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen zur Begrenzung der Wärmeabgabe gedämmt sind. Diese Auflage gilt allerdings nur, wenn die Leitungen und Armaturen sich in unbeheizten Räumen befinden und zugänglich sind.
Freigestellt von der Nachrüstungspflicht sind lediglich Eigentümer, die das eigene Ein- oder Zweifamilienhaus bereits vor dem Stichtag 1. Februar 2002 selbst bewohnt haben. Trotzdem ist auch hier eine nachträgliche oder verbesserte Dämmung sehr zu empfehlen – nicht nur weil auf Dauer Geld gespart wird, sondern auch zur Reduzierung der klimaschädlichen CO2-Emissionen (Treibhauseffekt). „Solche Dämm-Maßnahmen sind ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der aktuellen energiepolitischen Ziele“, betont Niermans die umweltpolitische Bedeutung.
„Das Energie-Einsparpotential bei Rohrleitungen wird oft übersehen, weil bei Sanierungen vor allem an die Gebäudehülle gedacht wird“, berichtet der Fachmann. Insgesamt lassen sich nach seinen Angaben bei Wohngebäuden die Energieausgaben durchschnittlich um rund 40 Prozent reduzieren. Gedämmte Rohre seien dabei zwar nur eine von vielen Maßnahmen. Angesichts von rund 40 Millionen Haushalten in Deutschland und der Vielzahl an Gebäuden sei der Spareffekt unterm Strich dennoch enorm.
Moderne Schaumkunststoffe als Rohrdämmung ideal
Bei der Wahl der Isolierung beziehungsweise der Dämmung empfiehlt der Fachverband weiches und flexibles Material, das keine Fasern freisetzt. So sei eine schnelle und einfache Montage möglich. Auch Eigenschaften wie „Wasser abweisend“ und „hoher Widerstand gegen das Eindringen von Feuchtigkeit“ gelten bei der Auswahl des Dämmstoffes als Vorteile. Denn ein feuchter Dämmstoff verliert einen Teil seiner Dämmwirkung. Zudem können durch Feuchtigkeit Rohre korrodieren.
Ideale Rohrdämmungen bestehen laut Fachverband aus modernen, geschlossenzelligen Schaumkunststoffen. Dazu zählen synthetischer Kautschuk, Polyethylen (PE) oder andere polyolefine Schaumstoffe, die stark Wasser und Wasserdampf abweisend sind und sich schnell und einfach montieren lassen.
Vor der Heizungsperiode Rohrdämmungen kontrollieren
Bewohner und Eigentümer von älteren Wohn- und Geschäftshäusern sollten rechtzeitig vor der Heizperiode die Rohrleitungen kritisch unter die Lupe nehmen und die Dämmung prüfen, raten die Dämmstoffexperten im Fachverband Schaumkunststoffe und Polyurethane. Gedämmt werden müssten nach der EnEV auch Pumpen, Armaturen, Ventile und sonstige Einbauten. Hierfür gibt es speziell geformte Dämmschalen.
Informationen zu den empfohlenen Rohrdämmungen und den nach EnEV vorgeschriebenen Dämmdicken bieten der örtliche Fachbetrieb für Sanitär-Heizung-Klima, Dämm- und Isolierfirmen sowie der Fachverband Schaumkunststoffe FSK und die Mitgliedsfirmen der Fachgruppe Dämmstoffe im FSK (www.fsk-vsv.de).






