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11.03.2008

Recycling- und werkstoffeffiziente Produktion mit wachsender Bedeutung

- FSK Arbeitskreis Verwertung besucht Getzner Werkstoffe und Abfallwirtschaft Schweiz-


v.l.n.r.: Der Fachverbandes Schaumkunststoffe und Polyurethane FSK und seine Arbeitsgruppe Verwertung beim Besuch der Abfallwirtschaft Schweiz und des Hauses Getzner Werkstoffe in Vorarlberg: Martin Dietrich (Getzner Werkstoffe Ges. m. b. H.), Rolf Apfeld (PDR Recycling GmbH & Co. KG), Lutz Ohmstede (BaySys-tems BÜFA), Marco Werth (Rampf Ecosystems GmbH & Co. KG), Thomas Ross (SEKISUI ALVEO AG), Dr. Thomas Mack (RÜHL PUROMER GmbH), Dr. Lutz Eggers (Aksys und Vorsitzender des Arbeitskreises Ver-wertung im FSK), Dr. Jens Lühr (Fischer GmbH), Susanne Hubert (BaySystems BÜFA), Roland Schneider (F.S. Fehrer Automotive Foam GmbH), Dr. Hans-W. Paul Schloz (Fachverband Schaumkunststoffe und Po-lyurethane e.V., FSK)

Frankfurt (FSK). Steigende Rohstoffpreise und Energiekosten machen die Nutzung von Produktions- aber auch Post-Consumer-Abfall für die Kreislaufwirtschaft und für die energetische Nutzung in der Kunststoffverarbeitung noch attraktiver. Dass beispielsweise Kunststoffabfälle als Ersatz-brennstoff und Energieträger immer interessanter werden und an Bedeutung gewinnen, spürt auch die Entsorgungswirtschaft. So sei durch die Einführung des Deponieverbots in Deutschland zunächst der Druck sowohl auf die Müllentsorgung über die Müllverbrennungsanlagen und Müllheiz-kraftwerke so groß gewesen, dass ein erheblicher Teil des Industrie- aber auch des Hausmülls in die Schweiz exportiert wurde. Rene Nigg, technischer Leiter der KVA Bruchs und Koordinator der Abfallwirtschaft in der Ostschweiz, stellt im Gespräch mit dem Fachverband Schaumkunststoffe und Polyurethane FSK hierbei eine starke Veränderung auf dem deutschen Markt fest. Nachdem in den letzten Jahren die Abfallmengen aus Deutschland in schweizerische Müllverbrennungsanlagen deutlich zugenommen hatten, ist nun ein deutlicher Rückgang festzustellen. Grund hierfür sei die bessere Nutzung insbesondere des Industrieabfalls für die Verwertung. Die Zusammensetzung der Materialien setze der werkstofflichen Verwertung und damit der Kreislaufwirtschaft gewisse Gren-zen, mache aber die Werkstoffe für die energetische Verwertung immer interessanter. Selbst in den Müllverbrennungsprozessen, aus denen die Kraftwerke wertvolle Energie in Form von Fernwärme und Strom gewinnen, könne man mittlerweile aus Schwermetallrückständen interessante Werkstoffe zur Wiederverwertung in den Hüttenwerken ziehen. Ein Problem stelle die Trennung des Abfalls insbesondere des Hausmülls dar. Wichtige Werkstoffe werden aussortiert, so dass die Qualität des zu entsorgenden Hausmülls für energetische Prozesse nicht immer zufriedenstellend sei. In vielen Ländern Europas habe man mittlerweile erkannt, den Müll nicht als Müll zu sehen, sondern als inte-ressanten Ersatztrennstoff. „Wenn man in Kraftwerken Kohle und Öl verbrennt, kann es ökologisch doch nur sinnvoll sein, wenn man ausgediente Kunststoffe in denen das Rohöl 10 Jahre „geparkt“ war, als wichtigen Energieträger sieht und so auch einsetzt“, ergänzt Dr. Lutz Eggers, Vorsitzender des FSK Arbeitskreises Verwertung, die Erfahrung der Müllwirtschaft. Wichtig sei eine Doppelstrategie. Den Anteil der Wiederverwertung und damit die Kreislaufwirtschaft zu stärken und auf der anderen Seite die nichtwiederverwendbaren Werkstoffe in eine sinnvolle energetische Verwertung zu geben. Dies senke zum einen die Verwertungs- und zusätzlich möglicherweise auch Energie-kosten der Unternehmen.
Marco Werth aus dem Hause Rampf Ecosystems GmbH & Co. KG und Betreiber einer Anlage zur chemischen/stofflichen Verwertung in Rheinland-Pfalz sieht allerdings trotz Forderungen der Politik nach Kreislaufwirtschaft und entsprechender Gesetze die Industrie und Recycler in diesem Prozess erheblich behindert. So mache die Europäische Chemikalienpolitik über die Verordnung REACH Verwerter zu Chemikalienherstellern, die Ihre Recyclate als Neu-Chemikalien bzw. neue Stoffe registrieren zumindest aber bis Jahresende vorregistrieren lassen müssen. Bei den mittelständischen Strukturen der Recycling-Unternehmen und der engen Kalkulation für Recyclate auf dem Markt, bedeute das nicht nur eine erhebliche Behinderung, sondern zum Teil das Aus für einige Wiederverwertungsprozesse und Recyclingunternehmen.
Dass Kreislaufwirtschaft auch im eigenen Unternehmen und in der eigenen Produktion funktionieren kann, zeigte Martin Dietrich aus dem Hause Getzner Werkstoffe Ges. m.b.H in Vorarlberg. Getzner betreibt seit vielen Jahren einen eigenen Recycling-Reaktor, der Produktionsabfälle aus Polyurethanen in den Kreislauf zurückbringt. Dies, so Martin Dietrich, gehe auch problemlos bei Post-Consumer-Abfall, wenn die Zusammensetzung bekannt ist und keine erhebliche Verschmut-zung während der Gebrauchszeit aufgetreten sei. Hier sieht der Vorsitzende Dr. Lutz Eggers den Handlungsbedarf für den Arbeitskreis Verwertung im FSK, Aktivitäten für die stoffliche und auch energetische Verwertung zu bündeln und zusammen mit Organisationen der Entsorgungswirtschaft sich für die entsprechenden politischen Rahmenbedingungen einzusetzen.
Grund für den Besuch in der Schweiz hatte den Hintergrund in der Tatsache, dass die Schweizer 6 Jahre vor Deutschland die Abfallgesetze geändert und das Deponieverbot eingeführt hatten.